Reinigung von Zungenbelag mit Zungenreiniger

Eine belegte Zunge kennt vermutlich jeder Mensch: Morgens nach dem Aufwachen gleicht unsere Zunge oft einem weichen Teppich, sie ist mit mehr oder minder hartnäckigem Belag überzogen, lässt sich aber zumeist durch ein Glas Wasser oder durch den Verzehr des Frühstücks davon befreien. Freilich bleib­t ein Belag auf der Zunge ein Symptom mit unterschiedlichen medizinischen wie hygienischen Ursachen, eine nähere Betrachtung des Phänomens ist demnach angebracht.

Beginnen wir mit einer Definition: Als Zungenbelag wird gemeinhin jene Schicht bezeichnet, die sich auf unserer Zunge ablagert und die aus älteren Zellen, Resten der Nahrung und auch aus Keimen bestehen kann. Grundsätzlich handelt es sich bei der Zunge um einen wichtigen Muskel im Mundbereich. Dieser Muskel ist von einer Schleimhaut umfasst, die zum Schutz dient und durch die unsere Zunge mittels spezieller Papillen zur Registrierung von Geschmacksrichtungen in der Lage ist. Menschen schmecken salzig, bitter, sauer und süß, jedem Geschmack ist eine bestimmte Region auf der Zunge zugeordnet.

Da wir beim Essen unsere Zunge ständig bewegen und sie zum zerteilen, lecken oder kauen verwenden, wird der sich entwickelnde Belag immer auch entfernt, er wird genaugenommen abgerieben wie das etwa bei einem Peeling der Haut der Fall ist. Dazu trägt auch die wichtige Mundhygiene bei, tägliches Zähneputzen und ein Reinigen der Zunge sind obligat. Dazu aber später noch mehr.

Freilich kann dieser Abrieb und damit die Reinigung der Zunge gestört sein. Nur feste Nahrung und weniger die aufgenommene Flüssigkeit sorgen für den Abrieb, was zum Beispiel für Fastende zum Problem werden kann. Diese nehmen oft über längere Zeiträume nur Suppen und Wasser oder Fruchtsäfte zu sich, ein Umstand, der zu einem auch dauerhaften Belag auf der Zunge beiträgt. Zusätzlich sind Menschen betroffen, die nur wenig oder gar keinen Wert auf Mundhygiene legen.

Und auch Krankheiten, Infekte oder Vergiftungen gelten als Verursacher.

Neben den zumeist harmlosen Belegen, die sich wie erwähnt aus Speiseresten und abgestorbenen Zellen rekrutieren, gibt es bei Zungenbelag jede Menge Hinweise auf Entzündungen und ernstzunehmende Erkrankungen. Die Farbpalette reicht dann von weiß und gelb über rot bis hin zu dunkelstem schwarz. All diese Färbungen können natürlich auch Speisen und vor allem Getränke zur Ursache haben, sind aber immer genauer zu beobachten. So führt der Genuß von Rotwein natürlich zu einer roten Färbung und es gibt sogar gezielt produzierte Lebensmittel wie Kaugummis, die eine direkte Farbveränderung mit Absicht herbeiführen, etwa um einen ästhetischen Effekt herbeizuführen oder um – auf dem Kindergeburtstag – für Spaß und Überraschung zu sorgen.

Doch zurück zu den Erkrankungen, schließlich sollten diese nicht auf die leichte Schulter genommen werden.

Unbedenklich ist demgegenüber die sich durch auffällige, einer Landkarte ähnelnden Flecken, auszeichnende „Landkartenzunge.“ Diese tritt recht häufig auf, doch bleiben die dafür verantwortlichen Ursachen ungeklärt. Ähnliches gilt für die „Haarzunge“, bei der die Geschmackspapillen eine andere Größe als normal aufweisen und die deshalb sehr leicht besonders dunkle Färbungen annehmen können.

Hier wollen wir uns jedoch in erster Linie auf den natürlichen Zungenbelag konzentrieren, von dem jeder Mensch mehr oder weniger betroffen ist. Dieser Belag bildet sich, wenn die oberste Zellschicht der Zunge dicker wird und sich Speichel wie Reste der Nahrung mit diesem Film mischen. Der daraus entstehende, zähe Film setzt sich auf die Papillen und umschließt diese – bei mangelnder Zungenreinigung – mit der Zeit immer vollständiger. Ein richtig dicker Film ist dann die Folge und Mundgeruch wie die Gefahr von Fäulnisbakterien nimmt immens zu. Die raue Oberfläche lädt zur Entwicklung des Films noch zusätzlich ein, von dort können sich die Bakterien im ganzen Mundraum ausbreiten und verheerenden Schaden anrichten. Karies und Parodontitis sind nur zwei dieser Gefahren, weshalb eine ausgiebige Zungenhygiene absolut sinnvoll erscheint.

Für die Reinigung der Zunge bietet der Handel jede Menge zweckmäßige Hilfsmittel. Speziell gearbeitete Schaber oder Bürsten können helfen, oft reicht auch ein flexibler Streifen aus Kunststoff. Immer ist beim Entfernen des Zungenbelags auf ein Führen des Schabers von hinten nach vorne zu achten. Schließlich sollen sich die abgetragene Schadstoffe nicht im Rachen wiederfinden! Das Reinigungsgerät wird zu diesem Zweck möglichst weit hinten auf der Zunge angesetzt und langsam, aber mit ein wenig Druck nach vorn gezogen. Es hat sich bewährt, die Zunge mit einem Waschlappen dabei festzuhalten, sonst rutscht sie immer wieder weg und die Reinigung mißlingt. Ein anfänglicher Würgereflex ist zudem ganz normal, mit häufigerer Reinigung gewöhnt sich unser Organismus dann an die Maßnahme.

Wie oft der Zungenreiniger einzusetzen ist, sollte jeder für sich selbst entscheiden. Manche Ärzte empfehlen die tägliche Reinigung, andere halten einmal wöchentlich für ausreichend. Deshalb sollte die Maßnahme einfach anhand des vorliegende Belags durchgeführt werden, jede Zunge ist schließlich einem anderen Lebenswandel und auch anderen Vorbedingungen ausgesetzt. Einfach öfters mal die Zunge im Spiegel betrachten und dann entscheiden! Allerdings darf es auch nicht übertrieben werden, da die beschriebene Schleimhaut leicht verletzt und sich dann hartnäckige Infektionen festsetzen können. Wer regelmäßig seine Zunge putzt, der verhindert neue Belagsbildung. Das ist nachgewiesen und zeitigt ganz nebenbei weitere positive Effekte: Schöne Zähne, gesundes Zahnfleisch, frischer Atem – und besonders sensible und damit effektive Geschmacksrezeptoren! Essen macht dann noch mehr Spaß und auch das Küssen kann zu einem ganz neu empfundenen Erlebnis werden.

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